Mein Weg durch die Windowmanager
Geschrieben am 12-02-2026 - ⧖ 6 minIch habe die letzte Zeit meine Dotfiles ausgemistet, ~/tmp, sowie ~/screenshots durchforstet und einige alte Dateien und Screenshots gefunden. Darunter waren auch Konfigurationsdateien von Windowmanagern, die ich schon ganz vergessen habe.
Den ersten richtigen X-Server hatte ich Mitte der 1980 mit XFree86 und darauf
lief twm. Damals war das aber
eher eine will-haben-Installation, denn Ressourcen waren knapp und wurden für
wichtigere Sachen benötigt. Richtig rund ging es dann erst mit Erscheinen von
Linux, aber auch hier war die Rechenleistung eher.. öhm.. vorhanden, aber
FVWM lief darauf ganz brauchbar (das bei
Wikipedia ist übrigens ein Screenshot von mir wie ich gerade sehe ^^). Das waren
so die Anfangszeiten des ricing
und alles musste irgendwie zusammenpassen. Angefangen von der Statusbar, über
das Dock, bis hin zum Theme für das Terminal. Das waren so die Zeiten von
Enlightenment, Fluxbox, BlackBox und Co. Ich hatte ehrlich gesagt nie ein Gespür
für Farben oder was gut aussieht und was nicht.
Für mich musste Software funktionieren und übersichtlich sein, weswegen ich
einige Jahre Window Maker genutzt
habe; der hatte alles was ich wollte und war sozusagen OpenBSD-Standard. Links
unten waren Dockapps die ein Terminal (XTerm) und Firefox starteten und links
oben konnte man durch die Workspaces klicken. Das ganze hat auch mit
Tastenkombinationen funktioniert. Programme auf einem bestimmten Workspace zu
starten und das sogar noch automatisch war Wunschdenken bzw. nur mit optionalen
Programmen möglich. Damals brauchte ich das eigentlich nur, damit ich
Wolfenstein 3D zocken konnte.
Danach lieft einige Zeit Fluxbox und auch der war relativ simpel gehalten. GNU
Screen in einem Terminal (war UXTerm glaube ich), unten eine Statusleiste mit
den Workspaces und einer Tray. Thats it. Auch da konnte ich die Workspaces mit
der Tastatur wechseln und war glücklich. Also irgendwie zumindest. Es hat halt
funktioniert hab ich es mir schöngeredet. Gestört hat mich auch dort die
Tatsache, das es mir nicht möglich war, Programme auf bestimmten Workspaces zu
starten und das die Bedienung über die Tastatur allenfalls rudimentär vorhanden
war. Dazu kam das gleiche Problem wie bei den anderen Windowmanagern. Sobald man
ein neues Fenster öffnete, plazierte es sich über allen anderen und verdeckte
es.
Die meiste Zeit arbeitet ich mit GNU Screen unter /dev/pts rum, da so gut wie
alle von mir genutzten Programme keine grafische Oberfläche benötigten.
Gestartet wurde wie überall GNU Screen mit den notwendigen Programmen (Mutt,
Slrn, NNTP, IRC, ..), wobei es unter Linux angenehmer war, da dort ein
Framebuffer zur Verfügung stand. Man konnte sogar Videos schauen, aber das halt
nur direkt im Framebuffer und nicht unter GNU Screen.
Ich hab dann sogar mal XFCE eine Chance gegeben, aber mehr als über die
Grundinstallation bin ich nie hinausgekommen. Das lag zum einen daran das man
sehr viel Programme installieren musste, um es halbwegs komfortabel zu bedienen
und das die Konfigurationsdateien Gott weiß wo abgelegt und zum Teil ohne
Nachfrage überschrieben wurden.
Dazwischen kamen auch optische Körperverletzungen und Geschmacksverirrungen wie
Windows XP umgebaut auf Mac OS (wobei ich das nur kurzzeitig beruflich nutzen
musste), also gehen sie weiter. Hier gibt es nichts zu sehen!!1!
Irgendwann bin ich dann auf wmi aufmerksam geworden. Das ist der Vor-Vorgänger
von DWM und ich war begeistert. Sourcen runterladen, mit ./configure && make && make install installieren und fertig. Schon hatte man einen Windowmanager, der
zu 100% über die Tastatur bedienbar war, eine einfach konfigurierbare Statusbar,
die Möglichkeit Programme zu starten ohne ein Terminal oder externen Launcher
nutzen zu müssen und .. Tiling! Endlich mal ein Windowmanager, der die Fenster
nicht irgendwo öffnet, sondern sie anpasst bzw. einfügt. Man hatte auch mehrere
Layouts zur Verfügung; floating, tiling, .. und alles war gut. Wohl zu gut, denn
dann wurde WMI durch WMII abgelöst, der modular aufgebaut war, eine
IPC-Schnittstelle besaß und und und. Der war so viel besser, das er grad mal ..
ich glaub zwei Jahre lang weiterentwickelt und dann eingestellt wurde.
Danach hat der Gründer und Hauptentwickler von WMII, dem nach eigenen Angaben
WMII im Laufe der Entwicklung zu „klobig“
wurde. DWM hervorgebracht. Das war bzw. ist
vereinfacht ausgedrückt WMI, nur halt umständlicher. Das Grundprinzip ist das
Gleiche, allerdings hat man keine Konfigurationsdateien mehr, sondern muss bei
jeder Änderung den Quelltext neu kompilieren. Du willst anstelle von st(1)
lieber kitty(1) als Terminal starten wenn Du Alt+Return drückst? Kein Problem.
Ändere den Source und kompiliere ihn neu.
Mir war das auf Dauer ehrlich gesagt zu umständlich und aufwendig, weswegen ich
dann zu i3 gewechselt bin. Den konnte man über eine Konfigurationsdatei anpassen
und hat ebenfalls alle Features geboten, die ich haben wollte. Danach habe ich
dann auf i3-gaps gewechselt, weil der sog. Gaps hatte; also Abstände zwischen
offenen Apps (und auch noch etliche andere Features). Der wurde dann allerdings
eingestellt und die Features in den originalen i3 implementiert, welche dann bei
mir zu einigen Problemen geführt haben (hat damals unter Crux extrem
rumgezickt). Ich wollte aber tiling, floating und so Scherze haben, weil ich
mich daran schon gewohnt habe. So bin ich dann bei
bspwm gelandet. Der war auch sehr
schnell, aber man musste einen extra Hotkeydaemon starten um ihn bedienen zu
können. Hat mich relativ lange nicht gestört, ging mir dann aber auch irgendwann
auf die Nerven. Also .. nochmal auf dem Markt umgeschaut und siehe da.. es gibt
anscheinend nur noch Scheisse oder Bloatware. Ich bin dann wieder zurück zu DWM
und habe den dann die nächsten Jahre genutzt.
Die Probleme blieben aber bestehen. Für jede Änderung musste man den Quelltext
neu übersetzen, exterme Programme nutzen um halbwegs schmerzfrei Patche
einspielen zu können und als er dann so lief, wie
ich es mir vorgestellt habe, hat er eins der für mich wichtigen Programme in
unregelmäßigen Abständen
gekillt. Der Tropfen,
der das Fass zum überlaufen gebracht hat, war dann das mein Terminal (kitty) zu
einem WTF Programm wurde und dann
eins zum anderem kam bis ich bei MangoWC gelandet
bin. Bisher (toi,toi,toi) bin ich zum ersten Mal seit Jahren wunschlos glücklich
und zufrieden. Alles funktioniert so wie es soll und wenn man die ganzen
Animationen und sonstige Ricescheisse abstellt, ist das Ding extrem schnell.
Die Umstellung von einem Windowmanager auf den anderen fiel mir sehr einfach und
das aus einem simplen Grund. Ich verwende seit ~35 Jahren die gleichen
Tastenkombinationen, wobei ich da am Anfang auch immer wieder mal auf die
Schnauze gefallen bin. Zuerst habe ich das Programm komplett an mich angepasst,
was ja auch vollkommen in Ordnung ist.. also zumindest bei einigen Sachen. Es
spricht absolut nichts dagegen, wenn man seinen Windowmanager, MP3-Player,
Newsreader, .. umkonfiguriert das kein Keybinding mehr dem Originalem
entspricht. Witzig wird es nur, wenn man das z. B. bei einem Editor macht und
man dann auch mal auf einem anderem Host arbeiten muss (wie es bei mir als
Freiberufler damals der Fall war). Da habe ich einige Male Tastenkombinationen
gedrückt und mich gewundert wieso die was komplett anderes machen als ich
gewohnt war. Seitdem belasse ich die originalen Keybindings und erstelle
lediglich neue, die nicht im Konflikt mit den Standards stehen.
Ich bin gespannt wie lange MangoWC weiterentwickelt wird.. ich kenn doch mein Glück ^^